Unsere Geschichte

Die Geschichte der Feuerwehr Bad Bramstedt

 

Ein kurzer Exkurs für Die Jahre 1878 - 2010

132 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bramstedt

Die Freiheitsbewegung nach dem Frieden von 1848 führte überall im deutschen Sprachraum zur Begründung des Vereinswesens. 

In genau dieser Bewegung dokumentieren auch viele Freiwillige Feuerwehren ihr Gründungsdatum.

In unserem Bramstedt ist nachweislich bereits seit 1688 eine organisierte Feuerwehr vorhanden gewesen.

Neben zahlreichen anderen Aufgaben übte die Fuhr- und Arbeitsgilde, die sich ab 1862 Fleckensgilde nannte, auch die Aufgabe einer Feuerwehr aus. 1756 wurde in das Gildebuch geschrieben:

"Anno 1688 ist im Namen der Heyligen und Hochgelobten Dreyfaltigkeit dieses Fleckens, das Bramstedter Gilde-Buch und die Feuerordnung ins Reine geschrieben und im nachfolgenden von allen Gildebrüdern beliebet und von dem Herrn Kirchspielvogt confimiret (bestätigt) worden. Wonach sich denn ein jeder Gildebruder zu richten hat." 

Damit war eine Art erstes Brandschutzgesetz geschaffen und eine Art Pflichtfeuerwehr aufgestellt worden.

Lassen Sie uns nach 130 Jahren Bestehens der Freiwillige Feuerwehr in unserem Städtchen Bad Bramstedt zu einer kurzen Rückschau innehalten und von den Verhältnissen des Brandschutzes im 19. Jahrhundert in die Gegenwart schweifen. 

Der Mensch musste sich schon seit Urzeiten gegen unkontrolliertes Feuer schützen und wehren. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 

Am 10. November 1878 haben mutige Männer im Flecken Bramstedt die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Bramstedt begründet. Sie haben begonnen, die große Idee vorzuleben, dass der ehrenamtliche Dienst für die Gemeinschaft, für die Nachbarn, für hilfebedürftige Mitmenschen etwas Großartiges ist. Die Idee ist so großartig, dass das ehrenamtliche Engagement in vielen Familien über Generationen fortgesetzt wird.

Der Schlauch wurde im 17. Jahrhundert erfunden, war aus Leder genäht und später genietet. Brauchbare gewebte Hanfschläuche, die mit einer Innengummierung versehen waren, konnten erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts erworben werden. Die Eimerkette zur Bekämpfung von Bränden war zu diesen Zeiten noch Standard.

Der erste Feuerwehrhauptmann in Bad Bramstedt war der Bürgermeister Gottlieb Freudenthal.

Die erste Gliederung der FF BB beinhaltete eine Steiger- und zwei Spritzenabteilungen. Die Statuten zur Gliederung und Ausbildung orientierten sich streng nach militärischen Drillordnungen.

In den Aufzeichnungen lesen wir, dass eine Ansatzleiter, eine Steigerleiter, ein Dachhaken, ein Signalhorn und zahlreiche Schrillpfeifen, Noteimer als erste Ausrüstungsgegenstände sowie die Ausrüstung für 12 Steiger und 24 Spritzenleute beschafft wurden. 

Eine Handspritze und ein kurzer Lederschlauch konnten aus dem Bestand der Fleckensgilde übernommen werden.

Die erste große Spritze mit gummierten Hanfschläuchen wurde bei der Carlshütte in Rendsburg erworben.

Kosten in Höhe von seinerzeit ca. 1.000 Mark mussten von den Mitgliedern der Feuerwehr selbst aufgebracht werden, denn der Flecken Bramstedt war für Beschaffung von Ausrüstung und Gerät nicht zuständig, 

Später wurde eine von Hand gezogene Schlauchhaspel mit hölzernen Speichenrädern, ein sog. Zubringer, und das dazu erforderliche Schlauchmaterial gekauft. 

Bereits in den ersten Jahre ihres Bestehens wurde die Freiwillige Feuerwehr zur Bekämpfung eines großen Scheunenbrandes auf dem Gut und einem nahe gelegenen Haus in der Straße "Achtern Bleeck" mit Erfolg eingesetzt. 

In den städtischen Aufzeichnungen lesen wir aus dieser Zeit lediglich nur von kleineren Schadenfeuern.

Der Kaufmann Wilkens stellte der Freiwilligen Feuerwehr ein Stück seines Gartens am Schlüskamp zu Verfügung. Darauf wurde ein Spritzenhaus zur zentralen Unterbringung der Gerätschaften erbaut. 

Noch vor dem ersten Weltkrieg wurden die berühmten Minimaxgeräte und eine sog. Abprotzspritze in den Bestand aufgenommen. Zwischen den Kriegen (1927) konnte man eine erste noch von Hand gezogene Motorspritze und (1935) einen umgebauten Omnibus als Mannschaftswagen erwerben.

Das Spritzenhaus im Schlüskamp reichte schon sehr bald nicht mehr aus. Es mangelte an Platz im Allgemeinen und die Trocknungsmöglichkeiten für die Schläuche im Besonderen.

Nach langen und emotional geprägten Verhandlungen (Parallelen mit der Gegenwart sind sicher nicht zufällig erkennbar) konnte der Spritzenhausneubau im Dezember 1931 zur Nutzung übergeben werden.

Seit dieser Zeit wird der Feuerwehrstandort Glückstädter Straße Ecke Sommerland gehalten.

Bald nach dem 2. Weltkrieg wurde dem Stand der Technik entsprechende Ausrüstung gekauft oder wieder hergestellt. 

Bereits 1946 erhielt die Wehr ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 mit Tragkraftspritzen-Anhänger. 

1955 war das Spritzenhaus für die Gegebenheiten der wachsenden Stadt und der sich verändernden Technik nicht mehr von ausreichender Größe. An gleicher Stelle entstand neues Feuerwehrgerätehaus mit Hausmeisterwohnung und wurde im Oktober 1955 zur Nutzung an die Feuerwehr übergeben. Fotos dieser Häuser können im heutigen Feuerwehrhaus betrachtet werden.

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1964 wurde ein erstes Wasser führendes Tanklöschfahrzeug TLF 16 und 1966 ein schweres Löschgruppenfahrzeug LF 8 TS sowie ein Anhänger mit 250 kg Pulverlöscher Typ P 250 beschafft. 

1967 bauten Feuerwehrmitglieder unter der Führung des Gemeindewehrführers und Schmiedemeisters Robert Liebig in Eigenleistung aus dem alten Löschgruppenfahrzeug LF 8 von 1943 und einer Anhängerleiter AL 18 eine Drehleiter DL 18. Dieses Fahrzeug musste über 57 Jahre (!!!) bis in das Jahr 2000 im Einsatzdienst geführt werden. 

Ebenfalls in Eigenleistung wurde der alte TSA zum Ölschadenanhänger umgebaut. 

Die Erweiterung der technischen Ausstattung macht unverkennbar deutlich, wie sich das Aufgabenspektrum im Laufe der Jahre erweitert hat. Aus der ursprünglichen Brandbekämpfungswehr ist bereits Ende der 60er Jahre eine Brandbekämpfungs-, Unfallrettungs- und Umweltschadenabwehr-Organisation geworden. 

Dramatischer Mitgliedermangel gefährdete Ende der 60er Anfang der 70er Jahre ernsthaft die Einsatzbereitschaft des gesetzlich vorgeschriebenen Brandschutzes – nicht nur in Bad Bramstedt. 

Wieder waren es mutige Männer, die einen richtigen Entschluss fassten und 1975 in die Tat umsetzten: Die Jugendfeuerwehr Bad Bramstedt wurde gegründet.

Im Jahre 1977 hielt eine neue Errungenschaft Einzug in Bad Bramstedt. Die Löschfahrzeuge wurden mit Funkgeräten für 4 m-Funk ausgerüstet und 1978 wurde begonnen, die Alarmierung der Einsatzkräfte auf Funkmeldeempfänger FME zu ermöglichen.

Im gleichen Jahr erhielt die Freiwillige Feuerwehr Bad Bramstedt zum 100. Geburtstag als sog. „Geburtstagsgeschenk“ ein dringend erforderliches hydraulische Rettungsgerät, bestehend aus Rettungsschere und –spreizer, zur Verwendung übergeben. 

Im Jahre 1979 wurde die Leitstelle des Kreises Segeberg in Bad Segeberg in Dienst gestellt. Ab diesem Zeitpunkt ist die Notrufnummer 112 für alle Bürger rund um die Uhr erreichbar und die Rettungskräfte des Kreises alarmierbar und disponierbar.

Wiederum nach zähen und auch emotional geführten Verhandlungen wurde 1980 endlich mit dem Neubau eines Feuerwehrhauses am selben Standort begonnen. Während der Bauzeit wurde der Fuhrpark in 1980 um einen neuen Einsatzleitwagen ELW 1 mit Zusatzbeladung und in 1981 um ein Löschgruppenfahrzeug LF 16 TS aus dem Bundes-Katastrophenschutz erweitert.

Damit war das neue Feuerwehrhaus - das dritte am selben Standort - bei der Nutzungsübergabe an die Wehr im September 1982 bereits zu klein und Bad Bramstedt hatte noch keine 10.000 Einwohner. Ein Jahr später bereits musste die Ersatzbeschaffung eines neuen TLF 16/25 für das 29 Jahre alte TLF 16 erfolgen. 

Einen Rüstwagen RW 2 konnte die Stadt ihrer Feuerwehr erst in 1988 zur Nutzung übergeben, damit die zunehmende Zahl und Schwierigkeit der technischen Hilfeleistungen und Umwelt- wie Gefahrstoffeinsätze angemessen abgewickelt werden kann.

Wiederum nach 29 Jahren musste das LF 8 TS in 1995 durch ein neues LF 8/6 ersetzt werden. Damit standen der Bad Bramstedter Feuerwehr erstmals zwei Wasser führende Fahrzeuge (2.700 + 600 Liter) zur Verfügung.

Nachdem im Jahre 1996 der schrottreife VW-Bus durch ein Mehrzweckfahrzeug MZF (Ford Transit) ersetzt werden musste, konnte dann endlich im Jahre 2000 in einer gemeinschaftlichen Beschaffung der Stadt Bad Bramstedt und des Amtes Bad Bramstedt-Land eine Drehleiter DLK 23/12 beschafft und zur Nutzung übergeben werden. Das alte Fahrzeug wurde nach 57 (!!!) Jahren Einsatzdienst ausgemustert und als Dauerleihgabe an das Feuerwehrmuseum in Norderstedt übergeben. Ein Besuch dieser wunderbaren Einrichtung ist sehr empfehlenswert.

In der weiteren Abfolge konnte im Jahre 2001 endlich ein erster kleiner Erweiterungsbau am Feuerwehrhaus fertig gestellt werden, bevor der ELW 1 in 2002 durch ein zeitgemäß ausgestattetes neues ELW 1 ersetzt werden konnte. 

Um den ständig wachsenden Anforderungen und die zunehmende Zahl und Schwierigkeit der technischen Hilfeleistungen sowie der Umwelt- wie Gefahrstoffeinsätze angemessen begegnen zu können, konnte in 2004 durch Neubeschaffung eines preiswerten Gerätewagens-Nachschub GW-N ein achtes Einsatzfahrzeug sowie zur Realisierung dieses flexiblen Einsatzkonzeptes zeitgleich ein weiterer „taktischer“ Anbau an das Feuerwehrhaus erstellt und übergeben werden.

Nach 26 Einsatzjahren in der Feuerwehr Bad Bramstedt wurde das LF 16 TS wieder an den Katastrophenschutz zurückgeführt. Es wird im Landkreis Plön noch für Ausbildungszwecke weiter verwendet. Als Ersatz hat die Stadt Bad Bramstedt ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20/16 beschafft und ihrer Feuerwehr zur Nutzung übergeben. Damit stehen seit kurzem drei Wasser führende Fahrzeuge (2.700 + 600 + 1.600 Liter) sowie ein schwerer (RW 2) und ein leichter Satz (HLF 20/16) hydraulischen Rettungsgerätes im Einsatzdienst.

Der Rüstwagen RW 2 ist verschlissen und steht überfällig zur Ersatzbeschaffung an.

Das Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 arbeitet seit 25 Jahren und muss spätestens in 2010 ersetzt werden. 

In Bad Bramstedt leben inzwischen fast 15.000 Menschen.

Nachdem die Feuerwehrunfallkasse anlässlich einer Besichtigung erhebliche Mängel im und am Feuerwehrhaus festgestellt und dokumentiert hat, wurde ein erster weiterer Anbau begonnen. Mit diesem Erweiterungsbau, dessen Fertigstellung wir in den nächsten Wochen erwarten dürfen, werden zunächst die erforderlichen Stellplätze für Einsatzfahrzeuge und Abstandsflächen für Feuerwehrmitglieder für einen gefahrlosen Aufenthalt im Feuerwehrhaus sichergestellt. Die marode und undichte Dachhaut wurde im gleichen Zuge kostengünstig überbaut. Weitere Maßnahmen zur Erweiterung der Unterrichts- und Versammlungsräume, der Fach-, Lager und Verwaltungsräume sowie eines Jugendraumes sind dringend erforderlich und seit 2002 in einem Nutzungskonzept dokumentiert. Die Anzahl der Feuerwehrmitglieder ist heute doppelt so groß wie zum Zeitpunkt der Übergabe dieses Hauses.

Nach 130 Jahren Freiwillige Feuerwehr in Bad Bramstedt ist festzustellen, dass sich aus einer Idee der Nächstenhilfe eine kostengünstige staatliche Einrichtung entwickelt hat, deren Akteure als echte Ehrenamtler jeden Tag rund um die Uhr bereit sind, ihre Gesundheit für hilfebedürftige Mitmenschen zu riskieren. 

In der Gewissheit, dass nur in den seltensten Fällen für diesen Dienst ein „Danke“ geerntet wird, lautet unser Motto: „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr.“

In diesem Sinne danken wir allen Kameraden und Kameradinnen, die in den 130 Jahren von der Gründung bis zum heutigen Tage mit ihrem Engagement, ihrer Zuverlässigkeit, ihrer Treue und ihrer Liebe zur Heimat diesem Motto gefolgt sind und trotz stetig steigender Technisierung immer den Menschen in der Gemeinschaft im Mittelpunkt wissen.

Weitere und ausführlichere Informationen zur Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bad Bramstedt sind in unserer Chronik „125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bad Bramstedt“ vom Kameraden HBM Hartmuth Schlapkohl niedergeschrieben und mit viel Bildmaterial versehen worden. Einige Exemplare stehen noch zum Verkauf zur Verfügung. 

 

Text verfasst von Carsten Oje (GWF a.D.)

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